Es war einmal niemals…..

Etwas provokant habe ich diesmal die Überschrift gewählt, dies aber mit Absicht 🙂

Das Märchen vom manuellen Bodenabgleich bei Metalldetektoren geistert ebenso in den Köpfen mancher Leute – wie z.B. dass in Spinat viel Eisen drin ist. Letzteres hatte dazu geführt, dass Generationen von Kindern eimerweise Spinat essen mussten, damit sie (scheinbar) gesund wurden oder blieben.

Beim Märchen vom manuellen Bodenabgleich wird dem Anwender und Kunden wiederum suggeriert, dass ein Gerät mit einem manuellen oder auch automatischen Bodenabgleich IMMER Vorteile hat. Das ist -gelinde gesagt – Quatsch!

In Foren, auf Hersteller- und Händlerseiten und in persönlichen Gesprächen zwischen Kunde und Verkäufer wird gerne der Vorzug des manuellen Bodenabgleichs angepriesen. Leider wird dabei aber nur selten auf die Funktion, die Wirkung und den tatsächlichen Nutzen hingewiesen. Lapidar wird dem Kunden gesagt: “ Das Gerät hat außerdem noch einen manuellen Bodenabgleich“ – als wenn das schon alles erklären würde…

Um das Märchen vom manuellen Bodenabgleich „zu entzaubern“ folgen hier ein paar grundsätzliche Erklärungen zur Thematik.

  1. Mit einem manuellen Bodenabgleich wird ein Metalldetektor „ruhig gestellt“. Das bedeutet, wenn ein mineralisierter Boden das Gerät stört (Störsignale produziert), kann mit einem Regler oder einer Tastenkombination der manuelle Bodenabgleich soweit korrigiert werden, dass diese Störungen verschwinden.
  2. Ist der Boden gering mineralisiert ergeben sich daraus Vorteile in Form von mehr Ortungstiefe und einer besseren Differenzierung von Metallen.
  3. Ist der Boden stark mineralisiert ergibt sich daraus nur  der Vorteil, dass das Gerät störungsfrei arbeitet!
  4. Ein automatischer Bodenabgleich hat klare Vorteile in mittel- bis gering mineralisierten Böden, gegenüber Geräten mit einem fest eingestellten (fixen) Bodenabgleich.
  5. Einige Geräte mit einem manuellen Bodenabgleich, welche nicht die Möglichkeit einer Umschaltung auf einen „fixen“ Bodenwert haben, können auf wechselnden mineralisierten Böden sehr unruhig laufen. Das gleiche gilt auch für viele China-Gurken alá Seben & Co. Das Ergebnis sind dann oft „Geistersignale“ – was bedeutet, dass ein deutlich wahrnehmbares Signal keinen Fund zur Folge hat, sondern im besten Fall nur einen (mineralisierten) Stein – im schlechtesten Fall – gar nichts!

Das bedeutet im Klartext?

Ein manuellen Bodenabgleich hat nur dort Vorteile, wo der Boden eine geringe Mineralisierung aufweist!

Aus dem Grund sollte der Benutzer/Käufer eines Metalldetektors mit manuellen Bodenabgleich schon vorher wissen, wie es um die Mineralisierung seiner Suchgründe bestellt ist.

Warum?

Wenn der Suchgrund (die Gegend wo er hauptsächlich suchen möchte) eine hohe Mineralisierung aufweist, macht ein Kauf eines Detektors, bei welchem der manuelle oder auch automatische Bodenabgleich besonders beworben wird – keinen Sinn und er kann sich Geld sparen! Hier würde ich – wenn es die Gerätefamilie zulässt, immer zu einem Gerät mit fixen (nicht regelbaren) Bodenabgleich raten.

Wenn der Suchgrund  eine geringe Mineralisierung aufweist, macht der Kauf eines Detektors bei welchem der manuelle oder auch automatische Bodenabgleich besonders beworben wird – Sinn!

Wie erkenne ich nun, ob ein Boden mehr oder weniger mineralisiert ist?

Tja – dies ist im Zweifelsfall leider nicht ganz so einfach zu ermitteln. Grundsätzlich kann man sich aber an der Geologie seiner Gegend orientieren.

Grundsätzlich sind Gebiete, wo im Erdaltertum vulkanische Tätigkeit vorherrschte, stärker mineralisiert. Hierzu zählen zum Beispiel – die hessischen Senke rund um Kassel, am Vogelsberg in Hessen, die Rhön, das Siebengebirge, der Westerwald, die Vulkan-Eifel, das Erzgebirge, der Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau, der Hegau in Baden-Württemberg, die Schwäbische Alb, der Nordosten Bayerns, der Frankenwald, das Fichtelgebirge sowie die nördliche Oberpfalz – um das Ganze mal grob zu umreißen.

Hinzu kommen Gebiete mit einem hohen Eisenoxidanteil  im Boden, oft und gut zu erkennen an den dabei typischen roten Böden.  Viel störender sind hier aber Böden, wo Granit das Landschaftsbild prägte.
Unterm Strich bleibt dann  in der Mitte und im Süden von Deutschland nicht mehr viel an gering mineralisierten Böden übrig und selbst der Osten- mit Harz und dem Erzgebirge- beißt sich noch ein gutes Stück vom „Mineralienkuchen“ ab.

Nur in Teilen von Brandenburg,  Mecklenburg, Schleswig-Holstein, der Senne  sowie in den meisten anderen Gebieten mit helleren Sand, kann von einer geringen Mineralisierung ausgegangen werden. Hier machen Detektoren mit manuellen oder automatischen Bodenabgleich durchaus Sinn, wenn mindestens zwei Voraussetzungen erfüllt sind.

Ein manueller Bodenabgleich im gering mineralisierten Boden hat Vorteile für den  Anwender – 

  1. Wenn er sich über die Vorteile eines manuellen Bodenabgleichs bewusst ist
  2. wenn er sein Gerät entsprechend einstellen und abgleichen kann

Ein manueller Bodenabgleich im gering mineralisierten Boden macht grundsätzlich Sinn

  1. Wenn sich die Mineralisierung nicht häufiger – drastisch – ändert.
  2. Wenn speziell nach mineralisierten Objekten oder mineralischen Anomalien gesucht wird, wie in der Archäologie zum Beispiel Brandgräber oder gebrannte Scherben oder Dachziegel aus rotem (eisenoxidhaltigen) Ton. Oder bei der Suche nach Meteoriten.

Zusammengefasst bietet ein manueller Bodenabgleich im gering mineralisierten Boden folgende Vorteile:

  1. Mehr Ortungstiefe (ca. 5-10% je nach Boden, Gerätetyp und verwendeter Suchspule)
  2. Eine bessere Differenzierung, bzw. Signalerkennung und Trennung
  3. Eine sehr viel bessere – bewusste – Erkennung von gesuchten mineralischen Anomalien

Weiteres Wissenswertes

Einige, meist preiswertere Metalldetektoren für Einsteiger,  welche über einen fixen Bodenabgleich oder Bodenwert verfügen, reagieren trotzdem auf mineralisierten Böden mit Stör- oder Geistersignalen. Dies hängt häufig mit der verwendeten Suchspule ,die nicht optimal abgeschirmt ist. Aber auch bei höherpreisigen Geräten kann dies passieren, nämlich dann, wenn der Hersteller den internen Bodenabgleich des Detektors so eingestellt hat, dass das Gerät zwar in geringer mineralisierten Böden tiefer ortet- dies aber zu Lasten der Stabilität und Störanfälligkeit geht. Ein paar wenige Detektoren lassen sich diesbezüglich intern nachstellen, dies ist aber leider nicht die Regel.

Ganz übel fällt das bei Detektoren ins Gewicht, die schon im Medium Luft deutlich mehr Ortungsreichweiten als vergleichbare Detektoren in der gleichen Preisklasse haben. In der Vergangenheit gab es da zum Beispiel ein paar „getunte“ Detektoren der Firma Whites mit dem Zusatz TURBO. Aber auch aktuell gibt es einige VLF-TR Detektoren – vor allem aus osteuropäischer Fertigung – die diesbezüglich dem Kunden was vorzaubern. Bei Reichweiten von über 40 cm auf eine einzelne Münze sollte man diesbezüglich misstrauisch werden…

…und wenn sie nicht gestorben sind….

Diese „Aufklärung“ wird so manchem Newcomer aber auch alten Hasen vielleicht ein bisschen die Augen öffnen und den ein oder anderen von einem unnützen oder ärgerlichen Fehlkauf abhalten. Dies ist aber sicher nur ein frommer Wunsch in Zeiten, wo man nur mit viel Geld in der Hand ein gut aufgestelltes Suchmaschinen-Ranking  erreichen kann.

Trotzdem hoffe ich, dass meine Ausführungen und Erklärungen hilfreich sind und ich an dieser Stelle „das Märchen vom manuellen Bodenabgleich“ etwas entzerren konnte.

 
In eigener Sache…….

Ich verdiene meinen Lebensunterhalt in erster Linie mit dem Verkauf von Metalldetektoren und Zubehör. Mein Ziel ist es jedoch auch, möglichst umfassende Informationen für Sondengänger und Sondengänger-Anfänger zu geben und auch die angebotenen Produkte so transparent wie möglich darzustellen und damit fundierte Informationen jenseits von Werbeversprechen und rein technischen Informationen zu bieten. Wenn Ihr meine Arbeit auch für zukünftige Projekte unterstützen möchtet, freue ich mich über Euren Einkauf im Shop.

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