Die Suche mit Metalldetektoren nach Meteoriten

Vorweg:
Ich habe von Meteoriten, ihrer Herkunft und ihrer Bestimmung selbst, recht wenig Ahnung. Das heißt, ich weiss natürlich, um was es sich handelt- sonst könnte ich kaum darüber schreiben- jedoch bin ich kein Sammler oder gar Spezialist für diese besonderen Fundstücke, die es in vielen verschiedenen und immer neuen Zusammensetzungen gibt und geben wird.

Ich habe selbst auch noch nie (wissentlich) einen Meteoriten gefunden, was mich aber auch nicht weiter wundert, da ich die physikalischen Zusammenhänge verstehe und darüber hinaus in einer sehr „meteoriten-unfreundlichen“ Fundgegend wohne.

Ich hoffe diese  Abhandlung hilft, ein bißchen mehr Verständnis für die Zusammenhänge „Meteoritensuche mit Metalldetektoren“ zu erhalten und mit diesem Wissen die eigene Suchtechnik zu optimieren oder sich neue Gedanken über die Sinnhaftigkeit der Suche mit Metalldetektoren nach Meteoriten in Deutschland zu machen…

Dichtung und Wahrheit(en)
Es sträuben sich einem die Haare wenn ich höre und lese, was über die Suche mit Metalldetektoren nach Meteoriten so alles ausgesagt wird…

Viele Leute glauben, dass man mit Metalldetektoren Meteoriten finden kann – DAS ist grundsätzlich richtig!
Viele glauben auch, dass man dafür besonders leistungsstarke Geräte benötigt – DAS  stimmt so nicht!
Viele vermuten auch, dass die Suche nach Meteoriten immer und vor allem überall (mit einem geeigneten Detektor) gar nicht so schwer sein kann – Und DAS ist leider oft eine falsche Annahme!

Ich habe in meinem Sucherleben mit Metalldetektoren schon Dutzende von vermeintlichen Meteoriten gefunden – aber leider war keiner tatsächlich ein extraterrestrischer Himmelskörper, obwohl nahezu alle Funde ähnliche Anomalien aufwiesen die auch auf einen „echten“ Meteoriten gepasst hätten!

Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Arten von Meteoriten:
– Steinmeteoriten
– Eisenmeteoriten
– Stein-Eisenmeteoriten

Alle drei Arten können – müssen aber nicht zwingend – mit einem Metallortungsgerät gefunden werden.

Das Stichwort heißt hier „Magnetismus“ und „Leitfähigkeit“.
Wobei bei der Leitfähigkeit von positiver und negativer Leitfähigkeit die Rede sein wird. Eine ausführliche Abhandlung über diese Thematik findet man hier.

Es kommen nur Meteoriten mit einem eigenen (ausgeprägtem) Magnetfeld und/oder einem positiv oder negativen Leitwert in Frage. Alle anderen Meteoriten die diese Eigenschaften nicht besitzen, können nicht detektiert werden!

Die überwiegende Mehrheit von Metalldetektoren sind für die Suche nach Meteoriten mit diesen Vorgaben nicht – oder nur sehr eingeschränkt – zu gebrauchen!

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Ortungsverfahren
Wir unterscheiden verschiedene Ortungsverfahren die sich für die Suche nach Meteoriten eignen:
– VLF-TR Systeme
– BFO-System
– Magnetometer-System
– PI Puls Induktion

Unter VLF-TR Detektoren fallen die meisten Hobby-Metalldetektoren. Sie haben in der Regel einen so genannten Diskriminator oder eine Metallartenanalyse über Ton und/oder Anzeige. Die meisten VLF-TR Geräte sind Motion Detektoren – d.h. dass die Suchspule beim Suchen geschwenkt (Motion = Bewegung) werden muss.

BFO-Detektoren hingegen sind so genannte No-Motion Detektoren und kommen nur noch selten zum Einsatz, da diese Geräte gegenüber VLF-TR Geräten den Nachteil besitzen, dass die Bodenanpassung oft sehr viel Ortungstiefe raubt (wenn eine Bodenanpassung überhaupt möglich ist) – was für die Suche nach Meteoriten aber von Vorteil sein kann…

Ein Magnetometer ortet ausschließlich Objekte die anders magnetisiert (resp. polarisiert) sind als das Erdmagnetfeld. Einen Klotz Gold würde man damit genauso überlaufen wie eine Münze im Sichtbereich. Mit einem Magnetometer können ausschließlich ferromagnetische Objekte detektiert werden! Ferromagnetisch bedeutet – Objekte aus unveredelten Eisen, Permanentmagnete aller Art und viele vulkanische Gesteine.

PI Metalldetektoren sind im Normalfall sehr leistungsstark da hier die Ausgangsleistung deutlich höher sein darf im Vergleich zu VLF-TR Geräten. PI-Metalldetektoren mit manuellen Bodenabgleich können zur Meteoritensuche verwendet werden – jedoch ist das nichts für Einsteiger und Technikmuffel – hier ist das Wissen um technische Zusammenhänge  Pflicht!

Zur Meteoritensuche eignen sich in erster Linie Magnetometersonden, da diese ohne Rücksicht auf Buntmetalle (Nicht-Eisen-Metalle) nur ferromagnetische Objekte detektieren können.

Prima! Könnte man jetzt sagen – das ist doch einfach!
Tja – wenn es denn so einfach wäre…..

Magnetometersonden detektieren zwar keine Buntmetalle, sehr wohl aber quasi jede Art von Eisen und magnetische Steine, wie zum Beispiel Basalte und viele andere vulkanische Gesteine – umgangssprachlich auch „Hot Rocks“ = heiße Steine – genannt . Eine Unterscheidung ist nur bedingt möglich (Eisen vs Hot Rocks) und bedarf schon einiger Übung, die uns in der Praxis aber keinen Millimeter weiterbringt!!

Warum?
Dazu komme ich auf das Stichwort „Magnetismus“ und „Leitfähigkeit“ zurück und ordne zunächst einmal die einzelnen Meteoritengrundarten entsprechend zu.

Steinmeteoriten – Magnetismus und negative Leitfähigkeit
Eisenmeteoriten – Magnetismus und positive Leitfähigkeit
Stein-Eisenmeteoriten – Magnetismus und positive wie negative Leitfähigkeit

Die Zuordnung ist grob und nur ein Anhaltspunkt und basiert auf Kenntnissen der Materialzusammensetzung – dass es dazu immer Ausnahmen geben kann möchte ich ausdrücklich betonen!

Nun zu (geeigneten) Detektoren
Mit Magnetometersonden können alle Meteoritenarten geortet werden, wenn das magnetische Feld nicht zu schwach ist oder die Polarisierung gleich mit dem Erdmagnetfeld ist.

Mit VLF-TR Detektoren können (zunächst) nur Eisenmeteoriten und Eisen-Steinmeteoriten mit einem homogenen Eisenkern, der wenigstens 5mm Durchmesser besitzt, detektiert werden.
Essentiell wichtig ist zu wissen, dass sich dafür nur Detektoren eignen, die im Modus „Allmetall“ betrieben werden!!

Wer darüber hinaus auch noch Steinmeteoriten und Eisen-Steinmeteoriten ohne homogene Eiseneinschlüsse (<5mm) finden möchte, muss auf VLF-TR Detektoren achten, die einen „manuellen Bodenabgleich“ besitzen!
Nur mit diesen Geräten können sowohl positive wie auch negative Mineralisation festgestellt- und im letzteren Fall häufiger – magnetische Anomalien geortet werden.

Idealerweise sollten die Geräte auch über eine Arbeitsfrequenz von mind. 10 Khz verfügen, da bei höherer Frequenz erstens die Kleinteilempfindlichkeit größer ist und zweitens die Anzeige von magnetischen Anomalien begünstigt wird. Geräte mit einem fixen (festen) oder automatischen Bodenabgleich sind ungeeignet!

Eine Auswahl an VLF-TR Metalldetektoren – mit manuellem Bodenabgleich und hoher Frequenz

XP-Goldmaxx Power (18 KHz)
XP Deus  (>17 KHz)
Fisher Goldbug DP (19 KHz)

Garrett AT Gold (18 KHz)
Tesoro Germania* (Vaquero II)* (>14 KHz)
Tesoro Tejon* (>17 Khz)

(*) Diese Detektoren sind nur dort zu empfehlen, wo der Boden wenige bis gar keine „irdische“ Hot Rocks, resp. grundsätzlich eine geringe Mineralisation des Bodens aufweist, da hier quasi im Modus „Pinpoint mit Bodenanpassung“ gearbeitet werden muss.

Ungeeignet mit wenigen Ausnahmen sind VLF-Tiefenortungsgeräte, die für größere Metallobjekte aus Eisen und Buntmetall konzipiert wurden (Beispiel: Whites TM 808, Fisher Gemini III, Hayes 2-Box, Garrett-TOS, usw.) oder auch Puls-Induktionsdetektoren mit Großschleife diverser Hersteller. All diese Geräte erlauben keine Zuordnung des georteten Metalls und verlangen darüber hinaus extreme Grabungstätigkeiten bis zu 6 m Tiefe. Diese Geräte kommen NUR zum Einsatz, wenn eine Impaktstelle sicher bekannt ist und auf weniger als 2 km² beschränkbar ist und wo davon ausgegangen werden kann, dass es sich bei diesem Objekt um einen Eisenmeteoriten handelt!

Ein empfehlenswerter PI-Metalldetektor ohne Großschleife ist der Garrett ATX. Wer fit mit der Kiste ist, kann hiermit ordentliche Sucherfolge (nicht nur nach Meteoriten) erzielen.

Wie bereits im Text vorher angesprochen, eignen sich nicht alle Geräte mit manuellem Bodenabgleich und hoher Frequenz zur Ortung von Meteoriten.
Sobald diese Geräte auf Allmetall gestellt werden, reagieren sie unweigerlich auf alle positiven wie negativen Leitwerte. Der bei uns vorkommende Boden hat in aller Regel neutrale bis negative Leitwerte.

Im Gegensatz dazu hat nahezu jedes Metall einen positiven Leitwert.
Steinmeteorite und einige Eisen-Steinmeteorite haben häufig einen deutlich negativen Leitwert – und genau diesen suchen wir!

Tja – das ist doch jetzt einfach! Oder….??

Leider nein…
Das Problem liegt darin, dass (zumindest in Deutschland) über ¾ der Landfläche – mehr oder minder – negativ mineralisiert ist und dazu noch Kubiktonnen von natürlichen Hot Rocks kommen. Selbst in Gebieten, die eigentlich neutral mineralisiert sind, kommen eine große Anzahl einzelner mineralischer Steine vor, die mitunter einen sehr starken negativen Leitwert besitzen!

Einstelltipps zur gezielten Suche nach „negativen Objekten“

Die in der Aufzählung mit (*) gekennzeichneten Detektoren reagieren bereits auf leicht mineralisierten Böden mit einer deutlichen Änderung im Signalton, dieser kann zwar über den manuellen Bodenabgleich (GB) reguliert werden, womit aber der Effekt, den wir haben wollten, verwirkt ist.

Auf gering mineralisierten Böden können diese Geräte durchaus eingesetzt werden – der Vorteil liegt (wie bei den anderen Geräten auch) darin – dass ein positiver Leitwert von einem negativen Leitwert akustisch unterschieden werden kann, wenn der Bodenabgleich vorher negativ eingestellt wurde. Dies funktioniert dann sowohl im Diskriminatormodus als auch im Allmetall wobei im Allmetallmodus dabei der Ton immer nur in eine Richtung „nachzieht“. Zu dem Thema sei noch angemerkt, dass ein „Pinpointing“ bei negativer Detektion nahezu unmöglich ist, außer man ist sehr geübt darin!

Andere Geräte erlauben den Luxus der „Silent Search Suche“ – das bedeutet, dass das Gerät, ebenfalls mit leicht negativ eingestelltem GB, nur dann ein Signal abgibt, wenn der Boden doch mal punktuell stärker mineralisiert ist oder halt ein Hot Rock oder Meteorit geortet wurde. Dies ist u.a. anderen bei allen Geräten von XP mit manuellen Bodenabgleich möglich.

Das kommt daher weil bei diesen XP-Metalldetektoren die Betriebsart „Allmetall“ quasi von Haus aus eingestellt ist – man (kann) bei diesen Geräten die Information über die Metallart (oder den Hot Rock) über verschiedene Tonhöhen erhalten. Diese Betriebsart wird auch als akustische Metallartenanalyse bezeichnet.

Tonwiedergabe bei positiven und negativen Leitwerten.

Tonwiedergabe bei positiven und negativen Leitwerten.

Auf der Grafik ist einmal grafisch dargestellt, wie sich einzelne Signale bei unterschiedlichen Objekten bemerkbar machen.

Das Diagramm A steht für eine normale „positive“ Detektion (oder positive Leitwerte), also im Normalfall „Metall“, dass heißt das in der Mitte der Suchspule ein eindeutiger Ton zu hören ist.

Das Diagramm B steht ebenfalls für eine normale „positive“ Detektion, jedoch sieht man hier noch zwei zusätzliche, schwächere Signale, die aber recht schnell und scharf abgegrenzt sind. Dieses Signalbild hat man häufig wenn sich ein kleines, meist rundes, aber auch hochstehendes Objekt (Bsp. Münze, Ring, Alufolie) NAHE unter der Suchspule befindet. Dabei hört man dann ein charakteristisches Mehrfachsignal mit kurzen Pausen.

Das Diagramm C tritt nur dann auf, wenn der Detektor mit negativen Bodenabgleich eingestellt wird und entweder im Disk-Modus oder (besser zu hören) in der akustischen Metallartenanalyse läuft. Das Signalbild zeigt, dass keine hörbare Detektion in der Mitte der Suchspule erfolgt (Im Gegensatz zu A und B). Ich bezeichne dieses Signal gerne als „singend“, da der Ton nicht scharf abgegrenzt ist und deutlich nachzieht.

Für Jemanden, der wenig mit Boden mit negativen Leitwerten oder einzelnen Hot Rocks zu tun hat, ist dieses Signalbild besonders eindeutig – unter der Voraussetzung, dass er es überhaupt erkennen kann…

Als Hilfe kann man hier nur empfehlen, allen ungewöhnlichen Signalen nachzugehen und beim Graben vor allem auch auf Steine zu achten und diese im Zweifelsfall einfach noch mal über die Spule zu führen – man weiß ja nie….

Noch was zu Geräten mit optischen Leitwertanzeigen (und frei programmierbare)

Einige dieser Geräte sind sicher ebenfalls für die Suche nach Meteoriten geeignet, jedoch rate ich zu möglichst „einfacher“ Technik** Wer sich nicht sehr intensiv mit der Materie und seinem High-Tech Detektor befaßt, kann sich leicht verzetteln und ungewollt mehr Frust als Lust bei dieser doch sehr speziellen Suche bekommen…

(**) Der Fisher Goldbug DP und der Garrett AT Gold sind in Vergleich zu vielen anderen Digitalgeräten, verhältnismäßig(..) einfach zu bedienen.

WO lohnt sich die Suche nach Meteoriten in Deutschland?

Wichtig (merken!)

Die Suche nach Meteoriten lohnt sich grundsätzlich überall dort, wo eine geringe Mineralisation des Mutterbodens vorherrscht.

Das sind zum Beispiel Gebiete im Norden des Landes – dort wo helle, oft sandige Böden das Landschaftsbild prägen. Leider kommen aber auch da weite Gebiete mit so genannten Endmoränenzonen vor, die in der Eiszeit aus den Alpen auch einiges an Hot Rocks „importiert“ haben…

In Gegenden wie der Eifel, des Westerwaldes, des Vogelbergkreises, der Rhön, in weiten Teilen des Saarlandes und dem Kaiserstuhl, sowie einigen Bereichen in Bayern – um nur ein paar zu nennen – kann man es nahezu vergessen, auf aktive Meteoritensuche zu gehen, wenn man nicht einen ganz konkreten (räumlich stark begrenzten) Bereich kennt und selbst dann kann es zur langjährigen Sisyphusarbeit werden!

Dazu sollte ich anmerken, dass es eine fast unübersehbare Anzahl von irdischen Gesteinen gibt, die eine ähnliche – elektromagnetische – Signatur (und mineralische Zusammensetzung) aufweisen wie viele Meteoriten.

Zu diesen Steine zählen unter anderem: Basalte und nahezu alle anderen vulkanischen Steine – so genannte Ergusssteine. Darüber hinaus spielen uns Magnetit und seine Verbindungen sehr häufig Streiche, gerade diese oft dunkel- bis peschschwarzen Steine, die noch nicht mal besonders groß sein müssen, geben bei geeigneten Detektoren ein sehr starkes negatives Signal ab, gerade auf magnetithaltige Steine bin ich persönlich schon häufiger reingefallen…

Alle aufgeführten Steine kommen quasi (gut verteilt) in ganz Deutschland vor, auch in Gebieten die sonst von der Geologie eher unauffällig sind, dazu zählen auch häufig diverse Sedimentgesteine.

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Ich habe von Meteorite-Shop.de (den ich als kompetente Bezugsquelle für Meteoriten empfehlen möchte) eine Auswahl an Belegexemplaren erhalten (Eisen- sowie Steinmeteorite) mit denen ich einige Ortungsversuche unternehmen werde, um Theorie und Praxis in Abstimmung zu bringen. Die Ergebnisse werde ich dann hier veröffentlichen.

Coming soon…

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Zum Abschluss
Ich hoffe ich konnte ein paar Fragen beantworten, wobei sicher viel Aspekte nur angekratzt wurden und einige gar nicht zur Sprache kamen.
Wer weitergehendes Interesse hat, kann mich gerne kontaktieren (bitte anrufen, schreiben dauert zu lange) oder vielleicht einmal ein Sondengängerseminar von mir besuchen 🙂

In eigener Sache…….

Ich verdiene meinen Lebensunterhalt in erster Linie mit dem Verkauf von Metalldetektoren und Zubehör. Mein Ziel ist es jedoch auch, möglichst umfassende Informationen für Sondengänger und Sondengänger-Anfänger zu geben und auch die angebotenen Produkte so transparent wie möglich darzustellen und damit fundierte Informationen jenseits von Werbeversprechen und rein technischen Informationen zu bieten. Wenn Ihr meine Arbeit auch für zukünftige Projekte unterstützen möchtet, freue ich mich über Euren Einkauf im Shop.

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