Bestmöglichst unsichtbar in der digitalen Welt werden – ein Leitfaden zur Anonymität
Ich bin aus der Boomergeneration und bin schon früh mit der damals neuen Digitalisierung und den Anfängen des Internets groß geworden. Auch wenn Politik mit der Thematik sicher viel zu tun hat so bin ich in der Mitte angesiedelt und versuche diesen Beitrag wertfrei und nachprüfbar zu gestallten.
Im Gegensatz zu den Generationen die nach mir kamen – vor allem aber der Generation die mit Smartphones groß geworden sind und die „Handys“ als Retro und drahtgebundene Telefone mit Wählscheibe gar nicht mehr kennen – ist mir die gesamte technische Entwicklung aber vor allem der Schutz der Privatsphäre (damals vs heute) ein Anlass zu großer Sorge geworden. Darüber und was man dagegen tun kann möchte ich hier berichten.
Wie auf allen anderen Seiten meiner Homepage kann auch dieser Beitrag nur per Mail oder als Kopie des Links geteilt werden, dies ebenfalls aus Datenschutzgründen. Datenhungerige soziale Netzwerke sind damit außen vor.
Es ist erschreckend wie die heutige Smartphone- aber auch PC Generation mit ihren persönlichen Daten hausieren geht und es ist noch besorgniserregender, wie die älteren Generationen sich blind auf die jüngeren verlassen, in der Hoffnung, dass schon alles so richtig ist.
Das fängt mit den Messengern an. Früher nutzte man noch Chat Dienste wie IRC und ICQ, Yahoo- oder Google- oder Windows Messenger. Die kennt heute kaum noch einer, und spätestens seit WhatsApp sind diese weitgehend von der Bildfläche verschwunden.
Im Gegensatz zu den alten Messengern, wo es primär um den Austausch von privaten Chats ging ohne größeren finanziellen Hintergrund, ging es ab WhatsApp & Co um das groß angelegte Sammeln von Daten und Benutzerprofilen. Der eigentliche Messenger zum übertragen von Nachrichten oder einfachen Videokonferenzen ist dabei in den Hintergrund gerückt. Viele der scheinbar „kostenlosen“ Messengerdienste finanzieren sich über den Verkauf von Nutzerdaten an Werbefirmen.
Aber nicht nur Firmen haben Interesse an Euren Daten und Inhalten. Hier möchte ich nur mal das Schlagwort “ Bundestrojaner“ einwerfen. Dieser hat sicherlich auch seine Berechtigung, greift aber (bewusst oder unbewusst) auch alle Daten von unbescholtenen Bürgern ab mit einer ungesicherten Verwendung.
Kurzerklärung: Ein Bundestrojaner ist eine Smartphone und PC-Schadsoftware, die von Behörden und der Polizei verwendet wird. Auch verschlüsselte Nachrichten lassen sich dadurch lesen. In Deutschland ist die Überwachung und Aufzeichnung von Telekommunikation, auch bei verschlüsselter Kommunikation durch Eingriff in das IT-System oder Smartphone der betroffenen Person, möglich und gesetzlich verankert.
Der Bundestrojaner, den übrigens nahezu jedes Land auf die eine oder andere Weise in der Hinterhand hat, ist nur die Spitze des Eisberges und eine Spitze, die uns offenbart wurde.
Es gibt unzählige andere Überwachungsmaßnahmen im Hintergrund und auf anderen Plattformen, hier mal nur das Schlagwort: „Smart Home & Datenschutz“ mit dem Hauptakteur China (aber nicht nur).
Ich könnte hier jetzt noch seitenweise Beispiel nennen, möchte aber den Leser lieber Möglichkeiten nennen, wie er sich zumindest etwas besser schützen kann, vor allem den nicht-kriminellen Bürger, vor einer ungefragten staatlichen Überwachung und dem Entziehen von persönlichen Informationen für Werbezwecke.
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- Nutzt VPN-Dienste die eure IP verfälschen. Die IP ist der digitale-Fingerabdruck , der unverschleiert eure wahre Identität preisgibt. Ein VPN verschleiert oder fälscht eure IP so dass ihr nicht mehr (ohne weiteres) zurückverfolgt werden könnt. Hier den Augenmerk auf eine doppelte VPN-Verbindung legen, auch Multi-Hop genannt. VPN kann noch viel mehr aber da nutzt bitte die Suchmaschine Eurer Wahl. Ich persönlich nutze schon seit Jahren den VPN Dienst Surfshark. Damit kann man zum Beispiel auch Ländersperren bei YouTube und anderen Video-Portalen umgehen, bzw. überall dort wo z.B. der Hinweis erscheint „Dieser Inhalt ist in Deinem Land nicht verfügbar“
- Apropos Suchmaschine und Browser : Google nutzen fast alle und ja, es ist auch superbequem. Wer aber auch diesbezüglich nicht direkt erkannt werden möchte und dem Privatsphäre wichtig ist dem empfehle ich an der Stelle den aus Norwegen stammenden Browser: Vivaldi
Nachteil bei Vivaldi – wie auch bei fast 90% aller anderen Browser die auf Cromium basieren – der beliebte und geschätzte Popup-Blocker „U-Origin“ kann nicht installiert werden. Abhilfe schafft hier der quelloffene Open-Source Browser „LibreWolf“, hier ist U-Origin sogar schon ohne euer Zutun installiert.
Libre Wolf nutz standartmäßig „DuckDuckGo“ als Suchmaschine. Vivaldi nutzt als Suchmaschine den anonymisierten Browser „Startpage“ .
Wer U-Orign nicht braucht, dem empfehle ich an erster Stelle wieder Vivaldi. - Direkt nach der Broser und Suchmaschine kommt – private Email. Ich habe verschiedene „private“ E-Mail-Dienste probiert und bin in letzter Konsequenz bei zwei Maildiensten angekommen. Dies ist zum einen das Schweizer Unternehmen Proton mit dem gleichnamigen Maildienst „Protonmail“. Diesen Dienst kann man mit Einschränkungen kostenlos nutzen oder als bezahlte Version mit vollem Umfang der jeweiligen Benutzer. Die Gratisversion ist zur Desktopanwendung zeitlich begrenzt, kann aber unbegrenzt via App auf dem Smartphone genutzt werden. Besonders gefallen hat mir neben der Anonymität die aufgeräumte Oberfläche und die Konfigurationsmöglichkeiten. Auch werden sehr wenig persönliche Daten bei der Anmeldung abgefragt. Allerdings lassen sich die Schweizer die Premiumdienste relativ teuer bezahlen, aber hier kann man zum Beispiel auch ein Paket zusammen mit VPN buchen.
Alternativ dazu kann ich von der deutschen Tutao GmbH, den Maildienst „TUTA“ empfehlen. Hier gibt es auch einen Free-Account und als Besonderheit (u.a.) die Möglichkeit einer One-Way Verschlüsselung mit Passwortentsperrung durch den Empfänger der kein Tuta-Mail nutz, ansonsten ist natürlich eine End-to-End Verschlüsselung möglich.
- Thema Anmeldung und Verifizierungen
Will man sich bei Messengern, bei E-Mail Diensten, bei Bezahldiensten oder auf Verkaufsplattformen anmelden so wird häufig eine Mobilfunknummer zur Verifizierung angefragt. Ich bin tatsächlich bei WhatsApp und ein paar anderen Messengern angemeldet, aber schon alleine aus privaten Gründen nicht über meine personenbezogene Telefonnummer, sondern über einen niederländischen Telefonanbieter. Warum?
Wer eine deutsche SIM-Karte nutzen möchte, der muss zwingend ein Identifikationsverfahren durchführen und dabei quasi alle persönlichen Daten zur Identifikation seiner Person angeben. Es geht aber auch einfacher und ohne dieses Prozedere. Dazu schaut man sich nach „SIM-Karte ohne Registrierung“ um. Diese werden aus Ländern angeboten, wo das Pflicht-Ident-Verfahren, wie es z.B. in Deutschland oder Österreich, nicht nötig ist. Im Netz wird gerne von illegalen SIM-Karten gesprochen, was aber an der Stelle eine Unwahrheit darstellt. Noch – gibt es kein Gesetz dagegen…. - Noch was zum Thema Datensammlung in Smartphones. Ich nutze Android und habe natürlich auch den Playstore von Google einrichten müssen (wider besseres Wissens). Es geht aber auch ohne. Dazu kann ich die Apps (Dienste) von F-Droid und dem Aurora-Store empfehlen. Letzterer ist besonders interessant, da man hier vor dem Besuch des Google-Playstore entscheiden kann, ob man diesen anonym oder regulär mit Anmeldung öffnen möchte. F-Droid bietet eine Vielzahl von Apps, die oft Open-Source sind und deren primäres Ziel nicht das Sammeln von Daten oder das Nerven mit Werbung ist.
- Teilt keine Inhalte (egal wo) von Dingen die nur für euch privat bestimmt sind (und dazu zählen auch Fotos von Funden die ohne NFG gefunden wurden und kritische Militaria sowieso!!) Emaildienste ala T-Online, GMX und Gmail sind hier auch mit gemeint – die können nämlich alle mitlesen!
- Nutzt keine Apps wo vertrauliche Informationen und Daten und wo ihr nach diesen Berechtigungen gefragt werdet: Standorte, Bilder, Videos und Dokumente.
- Nutzt keine biometrischen Daten wie Fingerabdruck und Gesichter zum Verifizieren oder Entsperren von Smartphones und anderen Geräten, solange ihr nicht zu 100% sicher sein könnt das diese Daten nicht irgendwie abgegriffen werden können! Stichwort: Malware stiehlt biometrische Daten
- Kauft nicht bei Temu, Shein und ähnlichen Shopanbietern. Hier werden Eure Daten verkauft – oder glaubt ihr das die günstigen Angebote dort aus reiner Freundlichkeit vorhanden sind? Die Smartphone-Apps sind ein Molloch an Datenschutzverstößen, aber denen habt ihr ja freiwillig zugestimmt, bei der Registrierung…. Amazon ist da auch nicht besser!
Zum Schluss was zum Thema Hardware.
Bei Apple bin ich außen vor, ich habe kein Apple-Produkt und ich will vor allem auch aus Datenschutzgründen und dem Kalkül eines fest eingebauten Akkus und der fehlenden Servicefreundlichkeit nicht dahin wechseln. Bei Android ist die Auswahl an Hardware aber auch an Anbietern deutlich größer. Hier habe ich wesentlich mehr Alternativen. Wovon ich aus jahrelanger Erfahrung abrate, sind Smartphones der Platzhirsche wie Samsung, Xiaomi und Google-Phone. Diese besitzen nahezu alle eine Großpackung von so genannter Bloatware, die auch nicht oder nicht ohne weiteres entfernt werden kann. Aus dem Grund sollte man nach Smartphones Ausschau halten, die z.B. Android-One als Betriebssystem verwenden. Hier würde ich zu Modellen von Nokia oder BQ tendieren. Ich selbst habe ein Gigaset-Smartphone, wo sich im Übrigen auch der Akku austauschen lässt ohne Werkzeugeingriff. Wer genügend Kleingeld hat, kann auch nach einem SHIFTphone oder FAIRphone schauen.
Zum Thema Akku-aus-dem-Smartphone-entnehmen könnte man eine eigenen Beitrag schreiben – nur soviel:
Wenn sich der Akku entnehmen lässt, hat man folgende Vorteile:
1. Bei defektem Akku ist ein Tausch ein Kinderspiel
2. Wird der Akku zu heiß oder zu kalt, kann er zum Temperieren leicht entnommen werden.
3. Ohne Akku, keine Ortung und keine heimliche Überwachung. Den wenigsten ist bekannt, dass auch ein ausgeschaltetes Smartphone mit eingebautem Akku nicht „tot“ ist und mit entsprechender Software wieder zum Leben erweckt werden kann (Kamera, Mikrofon, GPS, etc.) – ohne dass man das selbst mitbekommt.
Fazit
Ich verstehe einerseits den Wunsch der staatlichen Kontrolle, subversive und kriminelle Elemente dingfest zu machen, aber dies darf nicht auf Kosten der unbescholtenen Mehrheit geschehen. Auch empfinde ich den massiveren Einsatz von KI als immer bedrohlicher, egal ob zu Werbezwecken oder zur Überwachung. Aber diesen Fortschritt können wir nicht aufhalten, wir können nur versuchen, uns davor zu schützen und den abgedroschenen Satz wiederholen: Wissen ist Macht!
In diesem Sinne – seid wachsam und behaltet eure persönlichen Rechte.
Anmerkungen: Ihr findet hier keine Links oder Quellen zu anderen Webseiten, ich fordere den interessierten Leser zur Selbstbestimmung auf und bewahrt mich davor euch versehentlich Links zu fragwürdigen Infoseiten zu geben. Alle Schlagworte in diesem Beitrag sind über Suchmaschinen zu finden. [Stand 31.03.2025]